Ein anderer Weg
Trotzdem habe ich mich entschieden, meine Plugins inzwischen über GitHub zu veröffentlichen. Dahinter steckt eine Entwicklung über viele Jahre – und die Frage, wie ich heute arbeiten möchte.
WordPress.org hat mir viel ermöglicht
Als ich anfing, war das offizielle Plugin-Verzeichnis für mich der naheliegende Weg. Wer ein Plugin suchte, konnte es direkt im WordPress-Admin entdecken und installieren. Diese Sichtbarkeit war für einen unabhängigen Entwickler enorm wertvoll.
Eine eigene Website mit ZIP-Downloads war für mich 2011 keine ernsthafte Alternative. GitHub lernte ich damals gerade erst kennen. Ich nahm es vor allem als Plattform für die gemeinsame Arbeit am Code wahr, kaum als Vertriebsweg für fertige WordPress-Plugins.
WordPress.org hat mir deshalb viel ermöglicht. Diese Zeit möchte ich weder schlechtreden noch aus meiner Geschichte streichen.
Irgendwann passte der Rahmen immer weniger
Über die Jahre wurde die Plattform für meine Arbeitsweise zunehmend einengend. Anforderungen und Vorgaben nahmen zu. Bei der Präsentation meiner Plugins, bei Screenshots und Verlinkungen hatte ich weniger Spielraum, als ich mir wünschte.
Das betraf auch Affiliate-Links. Bei kostenlos bereitgestellten Plugins konnten solche Einnahmen für mich eine der wenigen finanziellen Anerkennungen für einen erheblichen Entwicklungs- und Pflegeaufwand sein.
Mit den Support-Foren wurde ich ebenfalls nie richtig glücklich. Das lag sowohl am technischen System als auch an manchen Abläufen. Aus früheren Jahren erinnere ich mich beispielsweise an die Vorgabe, auf Englisch zu kommunizieren – selbst bei Plugins, deren Inhalte und Nutzerkreis ausschließlich deutschsprachig waren. Für mich passte das nicht zusammen.
Spätestens um 2018 wurde mein Wunsch nach einem anderen Weg deutlicher.
Reichweite hat auch eine persönliche Seite
Ein erfolgreiches Plugin bringt Aufmerksamkeit mit sich. Dazu gehören Fragen, Fehlermeldungen, Erwartungen und gelegentlich negative Bewertungen.
Mich hat das oft stärker belastet, als von außen erkennbar war. Wenn ein Plugin von Hunderten oder mehreren Tausend Menschen verwendet wurde, konnte sich eine einzelne Fehlermeldung für mich wie eine Katastrophe anfühlen.
Natürlich müssen Nutzer Probleme melden können. Trotzdem musste ich mir irgendwann eingestehen, wie viel Stress mir diese Form der Öffentlichkeit bereitete. Auch die Atmosphäre auf der Plattform empfand ich nicht immer als angenehm.
Heute ist mein Business kleiner geworden. Eine kleinere Nutzerbasis ist für mich durchaus willkommen: weniger Druck, mehr Ruhe und mehr Raum für konzentrierte Arbeit.
Der letzte Anstoß
Mein persönlicher letzter Anstoß war Matt Mullenwegs Vorgehen im Konflikt mit WP Engine. Ich empfand es als ausgesprochen abstoßend. Für mich gab das den Ausschlag, eine schon lange gewachsene Entscheidung tatsächlich zu treffen.
Von außen mag mein Weggang deshalb vor allem politisch wirken. Die Gründe reichen jedoch wesentlich weiter zurück. Die Plattform passte bereits seit Jahren immer weniger zu meinen Bedürfnissen.
Auch die Abhängigkeit von Entscheidungen über Plugin-Sperrungen und die für mich schwer kalkulierbaren Folgen wollte ich so nicht länger hinnehmen. Die Guidelines erlebte ich zunehmend als starres Regelwerk, in dem ich mich mit meiner Arbeit nicht mehr wohlfühlte.
Ein weiterer Punkt waren Eingriffe in meine Plugin-Übersetzungen. Ich habe mehrfach erlebt, dass Formulierungen verändert wurden, ohne dass die dahinterliegenden Architekturentscheidungen bekannt waren. Ich möchte solche Änderungen im Zusammenhang mit dem gesamten Plugin prüfen und verantworten können.
Warum GitHub heute besser zu mir passt
Auf GitHub empfinde ich die Arbeit als schneller, angenehmer und freier. Ich kann Code, Dokumentation, Screenshots und Veröffentlichungen so organisieren, wie es zu meinen Projekten passt.
GitHub ist ebenfalls eine fremde Plattform mit eigenen Nutzungsbedingungen. Auch dort ist nicht alles perfekt. Für den heutigen Umfang meines Business, meiner Plugin-Entwicklung und meiner Kundenarbeit ist es aber der passendere Rahmen.
Den Preis dafür kenne ich: Ich verzichte auf die große Entdeckungsmöglichkeit über den Plugin-Installer von WordPress.org. Diesen Nachteil nehme ich bewusst in Kauf.
Mit meiner eigenen Website, ausführlicher Dokumentation sowie dem deckerweb Updater und der deckerweb Library gestalte ich inzwischen einen anderen Zugang zu meinen Plugins.
Eine persönliche Entscheidung
Mir ist wichtig, eines ausdrücklich festzuhalten: Ich hatte keinen persönlichen Konflikt mit den angestellten oder ehrenamtlichen Mitarbeitenden von WordPress.org. Im direkten Kontakt wurde ich freundlich behandelt. Meine Entscheidung richtet sich nicht gegen diese Menschen oder ihre Arbeit.
Ich habe selbst entschieden, diesen Weg zu gehen.
Ebenso wenig möchte ich für alle Zeiten ausschließen, irgendwann wieder ein Plugin auf WordPress.org zu veröffentlichen. Doch bis auf Weiteres überwiegen für mich die Gründe, meine Projekte anders bereitzustellen.
Ich entwickle weiterhin gern für WordPress. Ich möchte nützliche Werkzeuge bauen, sie gut dokumentieren und langfristig pflegen können. Dafür brauche ich einen Rahmen, der auch für mich als Menschen funktioniert.
Im Moment finde ich diesen Rahmen auf GitHub.